Mach es anders!

Die Angst vor Veränderung ist in vielen Menschen tief verwurzelt, je routinierter jemand lebt, umso mehr lehnt er Veränderung ab. Das ist auch in Ordnung so, solange die Routine dem eigenen Wohlbefinden nicht im Weg steht. Wenn die Angst vor sozialen Kontakten zu Vereinsamung führt, wenn die Angst vor Arbeitslosigkeit dazu führt, dass ich in einem mich mobbenden Umfeld bleibe, wenn meine Angst, als Chef nicht für voll genommen zu werden, dazu führt, dass ich kalt und unnahbar wirke und dadurch den Draht zu meinen Mitarbeitern verlieren, wenn meine Angst vor einer Blamage mich daran hindert, meine Ideen in meiner Firma zu präsentieren – immer dann ist es Zeit, etwas zu ändern.

Es gibt zwei Wege:1. Ich ändere radikal meinen Kontext oder ich ändere mich selbst. Das erstere ist oft nicht so ohne weiteres mölglich, das zweitere wohl:

Als erstes muss ich also meine hinderlichen Überzeugungen identifizieren. Was steht mir konkret im Weg? Um an den Kern zu gelangen, gibt es eine einfache Übung, die investigative Fragekette:

Hier ein typisches Beispiel für solche Dialoge:

Nimm dir ein Problem vor. Beispiel: Ich bin unglücklich im Job und würde ihn gern wechseln.

Frage: Was genau macht dich unglücklich?

Antwort: Der Chef nimmt ich nicht ernst / behandelt mich unfair…

Frage: Was kannst du daran ändern?

Antwort: nichts (Das ist eine Antwort, die die Passivität zemetiert)

Frage: Woher weisst du das?

Antwort: Das ist so. Merke ich ja jeden Tag. (Achtung: Das ist eine Behauptung, kein Fakt!)

Frage: Was konkret hast du schon probiert, um es zu ändern (z.B. mit dem Chef reden)?

Antwort: Das bringt doch eh nichts. (Behauptung)

Frage. Woher weisst du das? (Festnageln auf konkrete Beweise)

Oft verebbt das Gespräch an dieser Stelle, eben weil es jetzt ans Eingemachte geht. Und da wird es spannend. Denn hier lauern die Überzeugungen, die der Veränderung im Weg steht.

Alternativ-Frage: Warum wechselst du den Job nicht?

Antwort: Weil ich dann vielleicht keinen neuen finde.

Frage: Warum glaubst du das?

Antwort: Weil der Markt schwierig ist.

Frage: Warum muss das auch für dich gelten?

Antwort: Weil mein Lebenslauf nicht so toll ist (Überzeugung: Ich bin nicht gut genug, ich hatte Glück den Job überhaupt zu kriegen…)

Oder:

Muss ja nicht. Aber wer weiß, ob ich einen Job in der Nähe finde (oder so viel verdiene wie jetzt / oder der neue Job nicht auch blöd ist oder oder…)

Und schwups bin ich bei einem ganz anderen Thema. Und da kann ich das Frage-Spiel wieder spielen mit dem Kern, zu meinem Haupthindernis vorzudringen.

Das kann zum Beispiel Angst vor Konkurrenz sein oder Bequemlichkeit, dass mir nämlich Heimatnähe wichtiger ist als ein toller Job, oder dass ich Angst vor Verdienstverlust habe oder oder.

Ich muss wissen, was mir im Kern im Weg steht.

Und an den Kern komme ich am besten dran, wenn ich all meine angeblichen Fakten auch konkret beweisen muss. Also immer warum und wieso beantworten.

Im zweiten Schritt spiele ich den gegnerischen Anwalt, ohne Wenn und Aber. Ich sammle alles, was für eine Veränderung steht. Diese Übung schmeckt den Überzeugungen übrigens gar nicht. Sie werden heimlich versuchen, den gegnerischen Anwalt zu sabotieren. Und ich muss die Pro-Seite mit Fakten untermauern.

Was konkret kann ich gewinnen, wenn ich mich in die Veränderung traue?

Und als nächstes mache ich mir einen Mini-Veränderungs-Plan, das bedeutet, ich lege ganz kleine Schritte fest, in denen ich die Veränderung angehen könnte. Die müssen aber ganz konkret sein.

Und dann beginne ich mit dem ersten Schritt und den wiederhole ich so oft, bis er sich gut anfühlt oder mir zumindest keine Sorge mehr macht. Erst dann folgt der zweite Schritt.

Beispiel Jobwechsel: Ich beginne Bewerbungen zu schreiben, auch auf Stellen, die ich eigentlich gar nicht will. Das mache ich, um mich gegen den „Bewerbungsstress“, den viele empfinden, zu desensibilisieren. Dann sind die echten Bewerbungen nämlich irgendwann gar kein Problem mehr. Und wenn ich auch noch zu einem Gespräch eingeladen werde, habe ich sogar ein prima Übungsszenario. Dass bereitet mich auf Gespräche vor, die mir sehr wichtig sind.

Fakt am Rand: Die Japaner haben für diese Methode sogar ein Wort, sie nennen die Veränderung in kleinen kontinuierlichen Schritten „kaizen“.

Youtube-Kanal „casydinsing“, 16.07.2017