Konflikt-Dynamik in Kürze

Phase 1: Es geht immer los mit Irritation über das Verhalten eines anderen. Der oder die macht also etwas, das ich nicht erwartet habe. Dann liegt es an mir, wie ich darauf reagiere, also gelassen oder enttäuscht oder verärgert. Aber am Beginn, noch vor dem bewertenden Gefühl, steht die „Irritation“.

Phase 2: Wenn ich mich geärgert habe oder auch nur enttäuscht bin, werde ich den anderen künftig verstärkt durch diese Gefühle-Brille wahrnehmen. Das heißt, wenn der „wieder“ etwas tut, was mich irritiert, bestätigt sich meine erste Wahrnehmung von dieser Person. Gleichzeitig nehme ich aber andere Verhaltensweisen dieser Person nicht mehr bewusst war, denn mein Gehirn sucht nur nach Übereinstimmung und Bestätigung für den ersten Eindruck. Es sucht nicht aktiv nach Gegenbeweisen. Das ist die „verzerrte Wahrnehmung“.

Phase 3: Wenn ich mich also über diese Person ärgere und das vielleicht nicht zum ersten Mal, dann stehen die Chancen „gut“, dass ich anderen davon erzähle, natürlich aus meiner Sicht und inhaltlich immer so, dass der andere sich falsch verhalten hat oder auf jeden Fall falscher als ich. Und Menschen, die viel (und auch gerne?) Stress mit anderen haben, entwickeln großes Geschick darin, die Situationen jeweils so darzustellen, dass man geneigt ist, ihnen zu glauben. Es wird also das erzählt, was die eigene Geschichte/ Sichtweise untermauert und weggelassen, was andere Schlüsse zulassen könnte. Diese Phase wird „Konfliktansteckung“ genannt.

Phase 4: Mit dem „Einschießen“ auf das (vermeintliche) Konfliktgegenüber verhärtet sich die Front und das geht einher mit dem Verlust von Empathie und Einfühlungsvermögen. Es ist kein Interesse an der Sichtweise des anderen da, die Fehler des anderen werden überzeichnet, und es gibt wenig bis gar keine Bereitschaft mehr, sich auf den anderen einzulassen oder die Situation zu klären.

Youtube-Kanal „casydinsing“, 08.04.2017